Die "Deutschland" vor Gibraltar Mitte April

"Deutschland" neuem Besitzer übergeben

Das frühere ZDF-"Traumschiff", die "Deutschland", ist ihrem Käufer übergeben worden. Der Hälfte der Crew wurde gekündigt. Ein erneuter Einsatz auf deutschem Markt scheint möglich.

Der Insolvenzverwalter der MS-"Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft, Reinhold Schmid-Sperber, hat das frühere ZDF-"Traumschiff" vor kurzem an den Käufer aus den USA übergeben - vor Gibraltar. Dort hatte das Kreuzfahrtschiff längere Zeit gelegen, nachdem bekannt geworden war, dass die Betreibergesellschaft und die zugehörige Reederei Deilmann zahlungsunfähig sind.

Schmid-Sperber will in einer Mitteilung weder den Erwerber noch den erzielten Kaufpreis nennen. Hintergrund: Es sei vertraglich Stillschweigen vereinbart worden.

Nach Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit" handelt es sich um die US-Firma Absolute Nevada LLC. Sie gehört dem Unternehmer Donald Hoffman.

Der plant dem "Zeit"-Bericht zufolge, dass das Schiff langfristig wieder auf dem deutschen Markt eingesetzt werden soll. Im Winter komme angeblich ein Einsatz für die US-Organsation "Semester at Sea" in Frage, heißt es. Die "Deutschland" könnte so zu einer schwimmenden Universität werden.

In welcher Form MS Deutschland zukünftig eingesetzt wird, sei allein Sache des Erwerbers, teilte Insolvenzverwalter Schmid-Sperber indes mit. Medienberichte, wonach die "Deutschland" etwa als Wohnschiff in Ägypten eingesetzt werden soll, entsprächen jedoch nicht den Tatsachen.


"Deutschland" vor Gibraltar

Der Kaufpreis liegt laut Schmid-Sperber deutlich über den Prognosen renommierter Schiffsmakler. Diese hatten den Wert der "Deutschland" zuletzt auf maximal 13,7 Millionen Euro taxiert. Dem "Handelsblatt" zufolge zahlte der Investor rund 18,5 Millionen Euro.

Schmid-Sperber warnt davor, aus der Höhe des erzielten Verkaufserlöses Rückschlüsse auf die spätere Insolvenzquote zu ziehen. "Von dem Kaufpreis müssen wir zunächst Verbindlichkeiten in erheblicher Höhe begleichen, die aus dem Unterhalt des Schiffes herrühren." Dazu zählten Kosten für den Schiffsunterhalt der letzten Monate und zur Ablösung von Schiffspfandrechten sowie für die Maklercourtage.

Mit allen Mitgliedern der Stammbesatzung sei über Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten gesprochen worden. Rund die Hälfte habe ein Angebot des Käufers angenommen. Der anderen Hälfte werde fristgerecht gekündigt. Sie wird durch neue, bereits vertraglich verpflichtete Crewmitglieder ersetzt.

26.05.2015
Autor: Oliver Heider Fotos: Oliver Heider