Ein Hospital an Bord ist für viele Passagiere ein beruhigendes Gefühl

Hospital: Ein Fall für die Notfallapotheke? Oder ab zum Arzt?

Nicht nur auf Schiffen tummeln sich dort, wo Menschenmassen sich bewegen, auch Krankheitserreger. Eine eigene Notfallapotheke kann nicht schaden. Für schlimmere Erkrankungen gibt es ein Hospital an Bord.

Immer wieder haben Kreuzfahrtschiffe in jüngerer Vergangenheit von sich reden gemacht, auf denen sich hunderte Menschen mit dem Norovirus angesteckt haben. Die von dem Erreger verursachte Magen-Darm-Erkrankung äußert sich etwa in Brechreiz und Durchfall. Gewiss: Durch große Menschenmassen auf engstem Raum steigt das Risiko, sich einen Krankheitserreger einzufangen. Und doch kann man auch an Bord eines Schiffes, wie an Land, mit ein paar Regeln das Risiko minimieren. Vor allem durch regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Auch Hände-Desinfektionsmittel, wie es auf vielen Schiffen in Spendern vor den Restaurants zu finden ist, sollten Reisende benutzen.

Die Reedereien wissen ebenfalls um die Gefahren. US-amerikanische Unternehmen lassen daher ihre Gäste vorab einen Fragebogen ausfüllen. Sie sollen angeben, ob sie Anzeichen für eine Erkrankung in den Tagen vor Reisebeginn beobachtet haben. In Sachen Ebola-Prävention haben auch europäische Reedereien ihre Maßnahmen verschärft. So wird etwa abgefragt, ob sich die Passagiere in Westafrika aufgehalten haben oder Kontakt zu Ebola-Infizierten hatten. Wer Fieber und zusätzlich weitere Krankheitssymptome (Husten, Schnupfen etc.) aufweist, wird von den Schiffsärzten kostenfrei untersucht.

Wer sich auf große Reise begibt, sollte stets eine persönliche Notfallapotheke mit sich führen. In diese gehören Medikamente gegen Schmerzen, Fieber, Husten, Durchfall und Erbrechen, ebenso wie Verhütungsmittel, Fieberthermometer sowie Mittel gegen Insektenstiche und Sonnenbrand. Falls nötig sollten Kreuzfahrer auch an Ersatzbrillen und Kontaktlinsen denken.


Schiffsarzt auf "MS Astor"

Generell ist es für viele Urlauber ein beruhigendes Gefühl, dass es an Bord fast aller Hochseeschiffe ein Hospital gibt. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Hurtigruten-Schiffe, auf denen aber alle Offiziere in Erster Hilfe ausgebildet sind. Das Hospital ist zumeist auf den Ozeanreisen besser ausgestattet als auf kleineren Kreuzern. Behandelbar sind in den modernen Mini-Kliniken viele Verletzungen und Krankheiten. Sogar kleinere Operationen sind möglich. Wer jedoch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleidet, wird zwar an Bord erstversorgt, muss aber so schnell wie möglich in ein Krankenhaus an Land gebracht werden. Ab und an kommt es daher vor, dass Passagiere mitten auf dem Meer "ausgeschifft" werden - also von Booten oder einem Hubschrauber abtransportiert werden. Selbstredend sind die Chancen für den Patienten in einem ernsten Notfall größer, wenn dieser sich in Küstennähe ereignet. Auf einer Transatlantikreise sieht es deutlich schlechter aus.

Solche lebensdrohlichen Erkrankungen sind jedoch - zum Glück - selten auf den Weltmeeren. Die Bordärzte werden oft mit Sturzverletzungen oder Schnittwunden konfrontiert. Viele Passagiere suchen das Hospital auf, wenn sie seekrank sind. Die Seekrankheit entsteht laut dem Internetportal "netdoktor.de", wenn die sichtbare Umgebung auf einem Schiff gerade und unbewegt erscheint, das Gleichgewichtsorgan aber durch das ständige Schaukeln bei Seegang annimmt, man sei andauernd in Bewegung. Diese Informationen sind für das Gehirn widersprüchlich. Erste Symptome sind, dass sich der Speichelfluss verstärkt und die Betroffenen zu schwitzen beginnen. Danach setzen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Brechreiz ein. Diese Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein - je nach persönlicher Disposition. Im schlimmsten Fall bricht der Kreislauf  zusammen - was aber sehr selten ist. Generell gilt: Nicht jeder wird bei starkem Seegang automatisch seekrank. Und: Auch Menschen, die schon viele Fahrten hinter sich haben, können irgendwann seekrank werden.


Schränke im Hospital von "Mein Schiff 3"

Gerade für magenempfindliche Kreuzfahrt-Neulinge - Frauen sind öfter betroffen als Männer, Kinder öfter als Erwachsene, Migränepatienten öfter als Gesunde - ist es ratsam, sich für die erste Seereise ein Gebiet mit wenig Wellengang zu suchen. Die See im Persischen Golf oder im Roten Meer ist zum Beispiel viel ruhiger als der teilweise aufbrausende Atlantik oder das Europäische Nordmeer auf dem Weg nach Spitzbergen. Dort können an manchen Tagen selbst die modernen Stabilisatoren der Schiffe wenig ausrichten. Das Mittelmeer ist in der Regel im Herbst und Frühjahr unruhiger als im Sommer. In den Wintermonaten herrscht in Südostasien oder der Karibik eher wenig Seegang, wenngleich es auch dort mal aufschaukeln kann. Und: Wer eine Kabine in der Schiffsmitte, am besten etwas weiter unten im Schiff, bucht, spürt den Wellengang in der Regel weniger als vorne oder hinten.

Für den Fall, dass es einen doch erwischt, gibt es ein paar Tipps, mit denen man der Seekrankheit vorbeugen kann. Oberste Devise: gegensteuern, sobald erste Anzeichen zu spüren sind. In diesem Fall sollten Kreuzfahrer den Blick auf den Horizont richten. Sollte dies nicht helfen, flach hinlegen und die Augen schließen. Ratsam ist es auch, immer etwas im Magen zu haben. Doch Vorsicht: zu viel oder gar nichts zu essen ist kontraproduktiv. Vor allem fette Speisen sollten vermieden werden. Wer im Vorfeld gewappnet sein will, sollte am besten einen Arzt oder Apotheker konsultieren. Es gibt Medikamente in Tabletten-, Pflaster- oder Zäpfchenform. Wer nicht vorgesorgt hat, kann sich vom  Bordarzt eine Spritze geben lassen, die innerhalb weniger Stunden wirkt und in den meisten Fällen den Rest der Kreuzfahrt rettet.


Behandlung wie im Ausland

In diesem Zusammenhang ist es für Passagiere jeden Alters wichtig, vor Reiseantritt eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Nur so ist sichergestellt, dass Arztkosten an Bord - sie sind nicht Bestandteil des Reisepreises und werden über das Bordkonto abgerechnet - oder in ausländischen Praxen und Kliniken erstattet werden.

31.12.2014
Autor: Oliver Heider Fotos: Oliver Heider