Kapitän Louis d'Aboville auf der "Sea Pearl"

Traumjob: Der Kapitän der "Sea Pearl" im Porträt

Louis d'Aboville ist der Kapitän eines 100 Jahre alten Segelschiffs von Silhouette Cruises. Für den 36-Jährigen ist seine Arbeit kein Stress - der Besuch seiner Familie schon.

Tauchlehrer auf den Seychellen: Es gibt schlechtere Jobs auf der Welt. Doch Louis d'Aboville wollte nach einigen Jahren etwas Neues ausprobieren, wie er erzählt.

Also fragte der beim Chef von Silhouette Cruises an, was möglich sei. Und siehe da: Der Anbieter von Segel-Kreuzfahrten im Indischen Ozean bot ihm eine Anstellung als Kapitän an.

Der 36-jährige Franzose, der aus der Bretagne stammt, machte in Europa sein Schiffspatent und fing auf der "Sea Star" an - einer der beiden moderneren Segel-Yachten des Unternehmens.

Während die "Sea Star" und die "Sea Bird" luxuriöser sind, versprühen die 95 Jahre alte "Sea Shell" und die 100 Jahre alte "Sea Pearl" ganz besonderen Charme.


Kapitän Louis am Steuerrad

Dieser hat Louis voll ergriffen. Er fühlt sich sehr wohl auf der "Sea Pearl", mit der er die Seychellen-Inseln Praslin, La Digue, Curieuse, Cousin und St. Pierre umrundet.

Die modernen Schiffe seien zwar leichter zu beherrschen, interessanter zu segeln seien aber die historischen Segler. "GPS gibt es hier nicht." Während die neuen Yachten zwei Maschinen haben, müsse er auf der "Sea Pearl" mit einer auskommen. Segel werden per Hand gesetzt, nicht per Kurbel.

Die meisten Crewmitglieder, die Louis bei jeder Gelegenheit lobt und in ihrer Arbeit unterstützt, wechseln des öfteren. Louis und der Mechaniker sind dagegen ein Jahr lang an Bord.

Wenn es zwischendurch mal ein paar Landtage gibt, sei er mit Papierkram und Organisation beschäftigt. Freizeit ist demnach für ihn Mangelware. Auch mit der Enge an Bord, so scheint es, hat sich Louis gut arrangiert.


Kapitän Louis und seine Crew

Nach einem Jahr Arbeit habe er zwei bis drei Monate lang Urlaub. Den verbringe er in Europa, erzählt Louis. Mit seiner italienischen Freundin, die er auf den Seychellen kennengelernt habe.

Seine Schwester habe ihn schon auf der "Sea Pearl" besucht, seine Eltern wollen auch für ein paar Tage an Bord kommen. "Für mich ist das aber ehrlich gesagt Stress", sagt Louis. Denn Job und Familie gleichzeitig gerecht zu werden - das sei nicht einfach.

Die Seychellen gefallen ihm, wie könnte es auch anders sein bei dieser atemberaubenden Kulisse. Auch der Zweimaster sei toll. Wie der Großteil der Crew sieht er seine Zeit auf der "Sea Pearl" ein bisschen als "working holiday", also als Arbeiten im Urlaub.

Wie sehr ihm sein Job Spaß macht, erleben die Gäste täglich. Louis ist für sie stets ansprechbar, beantwortet geduldig alle Fragen. Ein Satz, der sehr oft über seine Lippen kommt, lautet: "To be honest with you" - um ehrlich zu sein. Schönreden ist seine Sache nicht.


Kopf-Stehen beim Stand-up-Paddling

Spaß haben können die Passagiere mit dem Kapitän auch im Wasser. Als das Schiff vor Anker in der Anse Lazio, ein wunderschönen Bucht der Insel Praslin liegt, verlässt der charmante, braun gebrannte, durchtrainierte Louis das Schiff.

Er kraxelt auf ein Brett, nimmt ein Paddel in die Hand, dreht standfest eine Runde - und macht zum Abschluss einen Kopfstand. Balance pur beim Stand-up-Paddling im Indischen Ozean.

Seine Arbeit an Bord macht der Franzose gewissenhaft. Er weiß, dass er die Verantwortung für die Passagiere und seine Crew hat.

Wie lange er den Job noch ausüben wird, sei noch unklar. Allzu lange dürfte es aber nicht mehr dauern, bis es ihn wieder nach Europa zurückzieht, sagt er.

Und dort macht es sich sicher nicht schlecht, wenn er im Lebenslauf Führungsverantwortung vorweisen kann. Denn der Kapitäns-Posten habe ihn in seiner Persönlichkeit weitergebracht, sagt Louis.

31.10.2015
Autor: Oliver Heider Fotos: Oliver Heider