Mehr als 300 Ozeanriesen waren 2014 auf den Weltmeeren unterwegs

Von A bis Z: Was Sie vor Ihrer ersten Kreuzfahrt wissen sollten

Mehr als 300 Ozeanriesen waren 2014 auf den Weltmeeren unterwegs. Kreuzfahrtneulinge haben da die Qual der Wahl. Es ist aber für fast jeden Geschmack etwas dabei. Wir haben zusammengefasst, worauf es bei der Auswahl ankommt.

Ob Mittelmeer, Ostsee oder Nordeuropa im Sommer, ob kanarische Inseln, Karibik oder Australien im Winter: Die Destinationen, die Kreuzfahrtschiffe ansteuern, sind vielfältig. Zuallererst sollten sich daher Urlauber überlegen, wo es wann hingehen soll. Und wie lange. Schließlich gibt es Kurztouren zum Reinschnuppern, klassische 7- oder 14-Tage-Fahrten ebenso wie monatelange Weltreisen.

Sollten für die gewünschte Reise mehrere Anbieter in Frage kommen, ist für viele Kreuzfahrer die Bordsprache ein wichtiges Kriterium. Gerade Menschen, die kaum oder kein Englisch beherrschen, entscheiden sich häufig für Schiffe, auf denen Deutsch gesprochen wird. Das ist bei Aida Cruises, Tui Cruises, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und einigen kleineren Anbietern der Fall. Auch auf MSC- oder Costa-Schiffen gibt es die wichtigsten Informationen auf Deutsch, wobei dort auch Italienisch, Spanisch, Englisch und Französisch gesprochen wird. Auf US-Schiffen gibt es nur wenige direkte Ansprechpartner für Bundesbürger. Auch die Sicherheitsübung zu Beginn der Reise wird dort nur in Deutsch abgehalten, wenn sich einige deutschsprachige Gäste an Bord befinden. Die Bordzeitung, die über alles wichtige am jeweiligen Tag informiert, erscheint auf vielen amerikanischen Ozeanriesen in - mal mehr, mal weniger korrekter - deutscher Sprache.


Die Rettungsübung ist Pflicht für alle Gäste

Bei der Auswahl der Reederei spielt eine große Rolle, welcher Urlaubstyp man ist. Waren Kreuzfahrten im vergangenen Jahrhundert eine steife und elitäre Angelegenheit, so geht es inzwischen auf vielen Schiffen leger zu. Zwar gibt es immer noch klassische Kreuzfahrtunternehmen wie Cunard ("Queen Mary 2", "Queen Elizabeth"), die großen Wert auf Etikette legen. Doch selbst dort weht heute ein deutlich weniger formeller Wind als früher. Ganz zu schweigen von einer Vielzahl von Konkurrenten, die sich der breiten Masse verschrieben haben - letztere will eben nicht im Smoking oder Cocktailkleid zum Abendessen gehen.  

Neben den Kleidungsempfehlungen oder -vorschriften ist auch das Freizeitangebot an Bord der Schiffe entscheidend für eine bedachte Wahl. Auf Ozeanriesen wie der "Allure of the Seas" von Royal Caribbean International (RCI) - das größte Kreuzfahrtschiff der Welt bietet Platz für 6300 Passagiere - sind die Freizeitmöglichkeiten nahezu unbegrenzt: ein Central-Park im Kleinformat mit mehr als 12 000 echten Bäumen und Pflanzen, zwei Surfsimulatoren, zwei Kletterwände, eine Seilrutsche ("Zipline") und eine Eislaufbahn. Ein Sportplatz für Basketball und andere Sportarten darf da, wie auf den meisten großen Schiffen, nicht fehlen. Theater für Shows, Wellness- und Fitness-Bereiche, großzügige Restaurants, zahlreiche Bars haben fast alle Schiffe, die über die Meere schippern, an Bord.


Hochseilgarten auf NCL Breakaway

Naturgemäß müssen die Gäste der "Royal Clipper", des größten Segelkreuzfahrtschiffs der Welt, da mit weniger Vorlieb nehmen. Es ist 134 Meter lang und bietet Platz für 227 Passagiere. Die entscheiden sich bewusst für die entspannte, familiäre Atmosphäre, inklusive ein bisschen Abenteuer und Tradition. Die drei Schiffe des Unternehmens "Star Clippers" kreuzen im Sommer im Mittelmeer, im Winter in der Karibik. Die Öko-Bilanz der Segler - Stichwort: Umweltfreundlichkeit - kann sich natürlich sehen lassen.

Egal, für welches Schiff man sich entscheidet: Die Wahl der Kabine will gut überlegt sein. Neben Innen- gibt es Außen- und Balkonkabinen. Hinzu kommen noch Suiten. Je größer die Schiffe sind, desto mehr Unterkategorien sind wählbar. Wer nur zum Schlafen in der Kabine ist, bucht eine Innenkabine. Eine Außenkabine ermöglicht immerhin Tageslicht, wobei die Fenster nicht geöffnet werden können. In Balkonkabinen sorgt eine offene Tür für frische Luft. Und: Wer gerne einmal dem Trubel an Bord entfliehen will, hat so die Möglichkeit, draußen Zeit alleine zu verbringen. Wer fürchtet, seekrank zu werden, sollte übrigens eine Kabine in der Schiffsmitte buchen. Je größer und neuer das Schiff, desto weniger Seegang ist zu spüren.


Geräumige Suite auf Costa Diadema

Ein wenig persönlicher Luxus hat jedoch seinen Preis. Mit Ausnahme von besonderen Aktionen gilt: Innenkabinen sind am günstigsten, gefolgt von Außen- und dann Balkonkabinen. Suiten sind meist größer und teurer. Der Trend bei neuen Schiffen geht inzwischen dahin, die Zahl der Balkonkabinen drastisch zu erhöhen. Die Reedereien reagieren damit auf den Wunsch vieler Reisender. So sind etwa auf der "Mein Schiff 3" von Tui Cruises, die im Juni 2014 getauft wurde, 82 Prozent Balkonkabinen.

Angesichts der stetig wachsenden Zahl an Kreuzfahrtschiffen nimmt auch der Druck auf die Reedereiein zu, mit Sonderpreisen Kundschaft anzulocken. Gemessen daran, was Urlauber heute auf den Schiffen geboten bekommen, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis meist gut bis sehr gut. Aber Vorsicht: So manches Schnäppchen ist nur eines auf den ersten Blick. Zwar spart nicht selten hunderte Euro im Vergleich zum Katalogpreis, wer flexibel ist, in Aktionswochen oder kurzfristig zuschlägt (die meisten Reedereien arbeiten mit tagesaktuellen Online-Preisen). Dabei lohnt jedoch der Blick darauf, was in dem Reisepreis inklusive ist. Üblicherweise ist dies neben dem Unterhaltungsprogramm auch Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Snacks - also die Mahlzeiten.


Show und Akrobatik auf MSC Preziosa

Doch schon bei den Getränken gibt es große Unterschiede: Bei Tui Cruises etwa sind ganztags fast alle Getränke, bei Aida zumindest Bier, Wein, Softdrinks zu den Mahlzeiten inklusive. Bei MSC Kreuzfahrten, Costa Kreuzfahrten sowie den meisten amerikanischen Schiffen sind zum Mittag- und Abendessen nur Wasser, Tee, Kaffee inbegriffen. Für alles andere verlangen sie extra. Wer wenig trinkt, fährt damit günstig. Wer über den Tag verteilt mal hier ein Cola, mal da ein Bier, mal dort einen Cocktail an Bord trinkt, sollte ein Getränkepaket buchen - also eine Pauschale, die bestimmte Getränke abdeckt. Von Land an Bord dürfen in der Regel keine Alkoholika mitgebracht werden - oder sie werden einbehalten und erst am Ende der Reise wieder zurückgegeben.

Auch Trinkgeld kommt häufig auf die Rechnung drauf. Bei amerikanischen Reedereien wie Carnival Cruise Lines, Norwegian Cruise Line oder auch bei MSC Kreuzfahrten werden dem Bordkonto - bezahlt wird überall auf dem Schiff mit einer Plastikkarte im Scheckkartenformat - automatisch 15 Prozent zusätzlich belastet. Aus einem Cocktail auf der MSC Fantasia, der laut Karte 6,70 Euro kostet und damit auf den ersten Blick günstiger als auf Aida-Schiffen (7,20 Euro) ist, werden so schnell 7,71 Euro. Hintergrund ist, dass unter anderem bei Aida Cruises und Tui Cruises Trinkgelder bereits im Reisepreis inbegriffen sind.


Trinkgeld kommt häufig obendrauf

Ähnlich sieht es beim Serviceentgelt aus, das einige Reedereien zusätzlich dem Bordkonto des Passagiers belasten. Es ist für das Kabinenpersonal und die Bedienung gedacht. US-Reedereien verlangen zumeist 12 Dollar pro Tag und Person, bei Costa Kreuzfahrten und MSC Kreuzfahrten 8,50 Euro. Seit 1. April 2014 will MSC den Betrag als Empfehlung verstanden wissen. Hintergrund ist ein Urteil des Landgerichts München, das dem Unternehmen untersagte mit Preisen zu werben, die das  "obligatorisches Serviceentgelt" nicht enthalten. Letzteres hatte die Reederei zuvor im Kleingedruckten versteckt. Nun können Gäste das Serviceentgelt an der Rezeption nach oben oder unten korrigieren oder ganz streichen lassen. In der Praxis dürften das aber die wenigsten machen. Zum einen kostet es Überwindung, an der Rezeption zu erklären, was einem nicht gepasst hat. Zum anderen sind die Gehälter der Crewmitglieder an Bord oft nicht gerade üppig, das Serviceentgelt daher ein willkommenes, kleines Dankeschön.

Auch die Landausflüge können bei einer Kreuzfahrt mächtig ins Geld gehen. Jene, die die Reedereien vermitteln - Veranstalter sind meist örtliche Agenturen - sind oft nicht gerade günstig. Weitere Nachteile sind, dass viele Touren in großen Gruppen stattfinden, die Verweildauer an einzelnen Attraktion stark eingeschränkt und der Takt durch die Reiseführer vorgegeben wird. Daher entscheiden sich viele Kreuzfahrer für individuelle Landgänge oder übers Internet gebuchte Touren mit örtlichen Anbietern. Doch Vorsicht: Auch dort gibt es Risiken. Wer ausschließen will, einem schwarzen Schaf der Branche aufzusitzen, sollte im Vorfeld in Foren die Zufriedenheit der bisherigen Ausflügler inspizieren. Ein weiteres Problem ist die rechtzeitige Rückkehr zum Schiff. Wer auf eigene Faust an Land geht, muss selbst Sorge dafür tragen, zurück zu sein, wenn es heißt: "Alle Mann an Bord." Wer einen von der Reederei angebotenen Ausflug bucht, kann sich entspannen: Bei einer Verspätung wartet das Schiff. Sollte die Verspätung allzu groß werden, übernimmt der Veranstalter den Transport der Gäste zum Schiff oder zum nächsten Hafen.


Reisebusse für Ausflüge in Haifa

Eine ähnliche Entscheidung müssen Urlauber treffen, wenn sie zwischen einer individuellen Anreise und den An- und Abreisepaketen der Reedereien auswählen können. Für Häfen in Europa (unter anderem Hamburg, Warnemünde, Genua, Venedig) sind häufig Bustransfers möglich, die zwar lange dauern, aber verhältnismäßig günstig sind. In den Paketen mit Flug ist ein Bustransfer vom Flughafen zum Hafen enthalten. Wer das auf eigene Faust organisiert, muss sich im Vorfeld gut informieren. Denn auch hier gilt: Das Schiff wartet nicht. Wer aus eigenem Verschulden nicht rechtzeitig an Bord ist, hat Pech gehabt. Fällt ein Flug aufgrund höherer Gewalt aus - wie 2010, als der Vulkan Eyjafjallajökull Asche spuckte und den Flugverkehr heftig durcheinander wirbelte -, können die Urlauber laut einem BGH-Urteil aus dem Jahr 2012 ihre Kreuzfahrt stornieren, ohne dafür Gebühren zahlen zu müssen. Storniert eine Fluggesellschaft einen Flug oder hat dieser so große Verspätung, dass Reisende das Schiff nicht mehr erreichen, können Reisende Ansprüche gegenüber der Airline geltend machen. Aufwand hat man dann aber trotzdem - von juristischem Ärger und dem ausgefallenen Urlaub mal ganz abgesehen.